Ende August wurde Bruno sechs Monate alt. Zeit für ein Halbjahreszeugnis – und für ein Thema, vor dem ich mich ein bisschen gedrückt hatte: die Kastration.
Halbjahreszeugnis
Gewicht: 2,9 Kilo, Tendenz steigend. Lieblingsplätze: mein Schoß, meine Schulter, der Karton vom Kratzbaum (nicht der Kratzbaum). Lieblingsbeschäftigung: Federangel, Schmetterlinge beobachten, um sechs Uhr morgens Frühstück verlangen. Besondere Talente: Kabel finden, Schnurren auf Knopfdruck, in jeden Schrank passen. Verbesserungswürdig: sein Verhältnis zu Schnüren.
Gesamtnote: sehr gut. Versetzung gefährdet höchstens durch akuten Thunfischmangel.
Warum kastrieren?
Die Tierärztin hat mir erklärt, warum jetzt ein guter Zeitpunkt ist. Bruno war fast geschlechtsreif. Unkastrierte Kater fangen oft an, in der Wohnung zu markieren – und Katerurin riecht, nun ja, durchdringend. Dazu kommen Unruhe, lautes Rufen und bei Freigängern Revierkämpfe und Streunen. Für eine Wohnungskatze, mit der ich nicht züchten will, war die Entscheidung klar.
Ich hatte trotzdem ein mulmiges Gefühl. Narkose ist Narkose. Die Tierärztin hat gelacht und gesagt, die Kastration eines Katers sei einer der Routineeingriffe, die sie am häufigsten macht. Alles Wichtige zu Zeitpunkt, Ablauf und Kosten habe ich später im Ratgeber Katze kastrieren zusammengefasst.
Der Tag selbst
Am Abend vorher gab es die letzte Mahlzeit, am Morgen nichts – Bruno war außer sich. Er hat mich durch die ganze Wohnung verfolgt und mir sehr deutlich mitgeteilt, dass hier ein schwerer Fehler vorliegt. Um acht Uhr habe ich ihn in die Praxis gebracht, um zwölf durfte ich ihn abholen.
Er war noch ziemlich benommen und hat mich aus der Box angeblinzelt wie nach einer durchgefeierten Nacht. Zu Hause habe ich ihn auf eine Decke am Boden gelegt – nach der Narkose sollen Katzen nicht hoch springen, weil der Gleichgewichtssinn noch nicht ganz mitspielt. Ich war die nächsten Stunden sein persönlicher Butler. Am Abend gab es eine kleine Portion Futter. Er hat sie verputzt und danach demonstrativ an der leeren Schale geschnuppert. Ein gutes Zeichen.
Drei Tage später: als wäre nichts gewesen
Bei Katern wird meistens nicht genäht, die kleinen Schnitte heilen von allein. Ich habe trotzdem jeden Tag nachgesehen, ob alles trocken und nicht gerötet ist. Einen Body oder Trichter brauchte Bruno nicht – bei Kätzinnen ist das anders, weil dort am Bauch operiert wird. Wann welcher Wundschutz sinnvoll ist, steht im Artikel OP-Body oder Halskragen.
Die größte Herausforderung: Bruno davon abzuhalten, schon am zweiten Tag wieder auf den Kühlschrank zu springen. Ich habe verloren.
Und das Futter?
Nach der Kastration sinkt der Energiebedarf um bis zu 30 Prozent, gleichzeitig steigt bei vielen Katzen der Appetit. Eine gefährliche Kombination. Ich habe ab dem Tag der OP die Futtermenge angepasst und Bruno alle zwei Wochen gewogen. Wie das geht, steht im Artikel Kastrierte Katze richtig füttern. Bruno fand die neue Portionsgröße übrigens unangemessen. Er hat das in einem längeren Vortrag um fünf Uhr morgens ausführlich begründet.
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Bruno ist eine Heilige Birma. Blaue Augen, weiße Pfoten, viel Gelassenheit – alles über die Rasse im Steckbrief und bei den Birma-Kitten.
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