Beim Check im Januar 2023 hat die Tierärztin Bruno ins Maul geschaut, „Hmm“ gesagt und dann einen Satz, bei dem ich gelacht habe: „Gewöhnen Sie ihn ans Zähneputzen.“ Ich habe weiter gelacht. Sie nicht.
Bruno hatte etwas Zahnstein an den hinteren Backenzähnen. Nichts Dramatisches, aber ein Anfang. Und Zahnprobleme sind bei Katzen erschreckend häufig: Ein Großteil der Katzen über drei Jahren hat irgendeine Form davon. Weil Katzen Schmerzen gut verstecken, fällt es oft erst auf, wenn es richtig schlimm ist. Mehr dazu im Ratgeber Zahngesundheit bei Katzen.
Schritt eins: Zahnpasta als Leckerli
Ich habe eine Katzenzahnpasta mit Geflügelgeschmack gekauft. Wichtig: keine Zahnpasta für Menschen. Die wird geschluckt und kann Stoffe enthalten, die für Katzen ungeeignet sind. Schritt eins war einfach: Bruno durfte die Zahnpasta vom Finger schlecken. Das fand er großartig. Ich glaube, er hielt es für ein neues Leckerli mit fragwürdiger Konsistenz.
Schritt zwei: der Finger
Nach einer Woche kam Schritt zwei: mit dem Finger kurz über die Zähne streichen. Bruno hat mich angeschaut, als wäre ich verrückt geworden. Mit diesem Blick, den nur Katzen beherrschen: eine Mischung aus Mitleid und Verachtung. Aber er hat stillgehalten.
Ich habe jeden Abend nach dem Bürsten geübt. Zehn Sekunden, dann ein Leckerli. Dann zwanzig Sekunden. Nie länger, als er mitmacht. Wenn er den Kopf wegdreht, ist Schluss für heute.
Schritt drei: die Fingerzahnbürste
Nach einem Monat bin ich auf eine weiche Fingerzahnbürste aus Silikon umgestiegen. Nach drei Monaten konnte ich Bruno die äußeren Backenzähne putzen, ungefähr 30 Sekunden pro Seite. Nicht perfekt. Aber regelmäßig. Beim nächsten Check hat die Tierärztin gesagt, der Zahnstein sei nicht schlimmer geworden. Ich habe das als persönlichen Triumph gefeiert. Bruno hat geschlafen.
Welche Zahnbürste und Zahnpasta sich eignen und wie die Gewöhnung Schritt für Schritt gelingt, steht in der Kaufberatung Zahnpflege für Katzen.
Die Decke ist weg
Im gleichen Monat habe ich einen Anfängerfehler gemacht: Ich habe Brunos Lieblingsdecke gewaschen. Sie roch danach nach Waschmittel und nicht mehr nach Bruno. Er hat sie demonstrativ ignoriert und sich stattdessen auf meinen frisch gebügelten Hemdenstapel gelegt.
Nach zwei Tagen, in denen ich die Decke selbst auf dem Sofa benutzt habe, hat er sie wieder akzeptiert. Sie roch jetzt nach mir. Das war offenbar gut genug. Seitdem wasche ich mit parfümfreiem Waschmittel und lege die Decke danach ein paar Stunden auf meinen Platz. Katzen orientieren sich stark über Gerüche – was fremd riecht, ist erst mal verdächtig.
Ein Nachtrag zu Silvester
Eine Woche nach dem lauten Silvester war Bruno wieder ganz der Alte. Er hat nicht einmal gezuckt, als ein Nachbar im Januar einen übrig gebliebenen Böller gezündet hat. Ich habe mir trotzdem vorgenommen, Silvester in Zukunft noch besser vorzubereiten – und im Herbst früh genug mit der Tierärztin zu sprechen.
Mein Fazit nach drei Monaten
Zähneputzen bei der Katze ist kein Witz. Es ist auch kein Kampf, wenn man es langsam angeht. Es ist ein Ritual, das 60 Sekunden am Abend dauert und viel Geld und Schmerzen sparen kann. Bruno lässt es inzwischen mit einem tiefen Seufzer über sich ergehen. Ich glaube, er tut es für mich. Und für das Leckerli danach.
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