Wer eine Rassekatze kauft, bekommt meist ein Dokument dazu: den Stammbaum, auch Ahnentafel genannt. Er wirkt offiziell, ist aber nur so viel wert wie der Verein, der ihn ausgestellt hat. Hier erfährst du, was in einem Stammbaum steht, wie du die Codes liest und woran du erkennst, ob ein Angebot seriös ist.
Was ist ein Stammbaum?
Ein Stammbaum dokumentiert die Abstammung einer Katze über mehrere Generationen, meist vier oder fünf. Er wird von einem Zuchtverein ausgestellt, der die Würfe seiner Mitglieder in einem Zuchtbuch registriert. Große Vereine sind einem internationalen Dachverband angeschlossen, etwa der FIFe, der WCF oder der TICA. Diese Verbände legen Rassestandards, Zuchtregeln und die Codes für Rasse und Farbe fest.
Wichtig: Ein Stammbaum, den der Züchter selbst am Computer erstellt hat, ist kein Stammbaum. Entscheidend ist der Verein, der die Angaben prüft und registriert.
Was steht in einem Stammbaum?
- Name der Katze mit Zwingernamen (Name der Zuchtstätte, auch Cattery genannt)
- Geburtsdatum und Geschlecht
- Rasse und Farbe als Code, zum Beispiel „BSH a“ für eine blaue Britisch Kurzhaar
- Registrier- oder Zuchtbuchnummer des Vereins, oft auch die Chipnummer
- Züchterin oder Züchter und Verein mit Stempel oder Unterschrift
- Eltern und Vorfahren mit Namen, Codes und erworbenen Ausstellungstiteln
- Häufig ein Vermerk wie „nicht zur Zucht“ – bei Kitten für Liebhaber ist das üblich und kein Mangel
Den Rassecode lesen
FIFe, WCF und viele andere Vereine nutzen das EMS-System. Jede Eigenschaft hat einen festen Code, egal um welche Rasse es geht. Die einzelnen Teile stehen durch Leerzeichen getrennt hintereinander.
| Beispiel | Bedeutung |
|---|---|
| BSH a | Britisch Kurzhaar, blau |
| MCO n 22 09 | Maine Coon, schwarz, Classic-Tabby (gestromt), mit Weiß |
| SIA n | Siamkatze, seal point (bei Siam ist die Point-Zeichnung schon in der Rasse enthalten) |
| NFO f 03 24 | Norwegische Waldkatze, schwarz-schildpatt, Bicolor, gefleckt |
| SBI a 21 | Heilige Birma, blue-tabby point |
Grob gilt: Drei Großbuchstaben stehen für die Rasse, Kleinbuchstaben für die Farbe (n = schwarz, a = blau, d = rot, s = silber …), Zahlen für Weißanteil (01–09), Zeichnung (11–33), Schwanz (51–54), Augenfarbe (61–67) und Ohren (71–72). Probier es direkt aus mit unserem Stammbaum-Code-Entschlüssler.
Was ein Stammbaum beweist – und was nicht
Ein Stammbaum belegt
- dass Eltern und Vorfahren als Rassekatzen registriert sind
- Rasse, Farbe und Zeichnung nach dem Standard des Vereins
- dass die Zucht nach den Regeln eines Vereins läuft, mit Zuchtbuch und Kontrolle
Ein Stammbaum belegt nicht
- dass die Katze gesund ist oder bleibt
- dass die Elterntiere auf Erbkrankheiten getestet wurden
- welchen Charakter dein Kitten haben wird
- dass die Rasse frei von Qualzucht-Merkmalen ist
Gerade bei Rassen mit bekannten Erbkrankheiten solltest du deshalb zusätzlich nach Tests fragen, zum Beispiel PKD (Nierenzysten) bei Perser und Britisch Kurzhaar oder HCM (Herzerkrankung) bei Maine Coon und Ragdoll. Mehr dazu im Ratgeber Erbkrankheiten bei Rassekatzen. Manche Datenbanken wie PawPeds berechnen außerdem, wie eng die Elterntiere verwandt sind (Inzuchtkoeffizient).
Warnzeichen beim Kittenkauf
- „Mit Stammbaum 200 € teurer“: Die Registrierung kostet den Züchter nur eine überschaubare Vereinsgebühr. Ein hoher Aufpreis spricht dafür, dass das Kitten ohne Papiere aus einer unkontrollierten Vermehrung stammt.
- „Papiere werden nachgereicht“ ohne Nachweis: Die Registrierung kann tatsächlich etwas dauern. Lass dir dann den Verein und die Wurfmeldung nennen und das Nachreichen im Kaufvertrag zusichern.
- Unbekannter Verein: Frag nach, welchem Dachverband der Verein angehört. Vereine ohne Anbindung haben teils deutlich lockerere Regeln.
- Daten passen nicht zusammen: Name, Geburtsdatum und Chipnummer müssen im Stammbaum, im Impfpass und im Kaufvertrag übereinstimmen.
- Keine Elterntiere zu sehen: Seriöse Züchter zeigen dir mindestens die Mutter und können zum Vater Auskunft geben.
Weitere Tipps zum Kauf findest du im Ratgeber Kitten kaufen: seriöse Züchter erkennen.
Und wenn deine Katze keinen Stammbaum hat?
Dann ist sie wahrscheinlich eine Hauskatze oder ein Mischling – und damit in bester Gesellschaft: Die meisten Katzen in Deutschland haben keine Papiere. Für Gesundheit, Charakter und Liebenswürdigkeit spielt das keine Rolle. Wer trotzdem eine Urkunde möchte: Mit unserem Fantasie-Stammbaum bekommt jede Katze ihre ganz eigene (und ganz unoffizielle) Ahnentafel zum Ausdrucken.
Häufige Fragen
Kann ich für meine Katze nachträglich einen Stammbaum bekommen?
In der Regel nicht. Ein Stammbaum entsteht nur, wenn die Elterntiere registriert sind und der Wurf beim Verein gemeldet wurde. Für Katzen ohne bekannte Abstammung gibt es bei manchen Vereinen ein Registrierungsverfahren für Ausstellungen, das aber keinen Stammbaum ersetzt.
Ist eine Katze ohne Stammbaum eine „falsche“ Rassekatze?
Ohne Stammbaum lässt sich die Rasse nicht belegen. Eine Katze kann einer Rasse sehr ähnlich sehen und trotzdem ein Mischling sein. Für den Alltag ist das egal – nur für Zucht und Ausstellung braucht es Papiere.
Was bedeutet „nicht zur Zucht“ im Stammbaum?
Der Züchter hat festgelegt, dass mit dieser Katze nicht gezüchtet werden soll. Das ist bei Liebhabertieren üblich und schützt vor unkontrollierter Vermehrung. Meist steht im Kaufvertrag zusätzlich eine Kastrationsvereinbarung.
Sind Stammbäume verschiedener Vereine gleich viel wert?
Nein. Vereine, die einem großen Dachverband angehören, haben verbindliche Zuchtregeln und führen ein geprüftes Zuchtbuch. Bei kleinen, unabhängigen Vereinen schwankt die Kontrolle stark. Frag nach, welchem Verband der Verein angehört.
Passende Katzen-Helfer
Stammbaum-Code entschlüsseln
Was bedeutet „BSH a 03 62“? Rasse, Farbe und Zeichnung im Klartext.
Fantasie-Stammbaum
Eine (völlig unoffizielle) Ahnentafel für deine Hauskatze zum Ausdrucken.
Rassen-Finder
11 Fragen zu deinem Alltag, und du bekommst deine persönlichen Top 5.
Quellen und weiterführende Infos
- FIFe – EMS-System (Codes für Rasse, Farbe und Zeichnung)
- FIFe – anerkannte Rassen
- WCF – EMS-Code
- PawPeds – Codes für Rassen und Farben
- Tierschutzgesetz § 11b (Qualzucht)
Dieser Artikel wurde von der miauzoo-Redaktion sorgfältig recherchiert. Er ersetzt keine tierärztliche Beratung.
Passend für alle Katzenrassen.