Von der miauzoo-RedaktionAktualisiert am 3 Min. Lesezeit
Das Bild der Katze als Einzelgänger stimmt nur zum Teil. Katzen jagen zwar allein, viele leben aber gern in Gruppen, spielen, kuscheln und putzen sich gegenseitig. Besonders gesellige Rassen und reine Wohnungskatzen profitieren oft von einem Artgenossen. Damit aus zwei Katzen ein gutes Team wird, kommt es auf die richtige Wahl und eine geduldige Zusammenführung an.
Braucht meine Katze Gesellschaft?
Ob eine Rasse grundsätzlich gut mit anderen Katzen auskommt, siehst du im Steckbrief unter „Verträglichkeit“. Das ist eine gute Voraussetzung, aber keine Garantie: Am Ende entscheidet der Charakter. Besonders menschenbezogene, gesprächige und aktive Rassen wie Siamkatze, Burma oder Devon Rex leiden schneller unter Langeweile, wenn ihre Menschen tagsüber unterwegs sind.
Anzeichen für Einsamkeit oder Langeweile
Übermäßiges Rufen, besonders wenn du nach Hause kommst oder nachts
Unruhe, Zerstören von Möbeln oder Pflanzen
Unsauberkeit ohne medizinische Ursache
Übermäßiges Putzen bis hin zu kahlen Stellen
Starke Fixierung auf dich, Probleme beim Alleinbleiben
Diese Zeichen können auch medizinische Gründe haben. Lass sie im Zweifel zuerst tierärztlich abklären.
Wann eine Einzelhaltung besser ist
Manche Katzen sind ausgeprägte Einzelgängerinnen, etwa ältere Tiere, die nie mit Artgenossen gelebt haben, oder Katzen, die auf andere Katzen mit Stress reagieren. Auch kranke Seniorinnen fühlen sich mit einem jungen Wirbelwind oft überfordert. Für Freigänger mit vielen Kontakten draußen ist eine Zweitkatze ebenfalls weniger dringend.
Die passende Zweitkatze finden
Konstellation
Einschätzung
Zwei Kitten aus einem Wurf
Meist der einfachste Weg – sie kennen sich und wachsen zusammen auf
Zwei erwachsene Katzen mit ähnlichem Temperament
Gut, wenn beide sozial sind; das Geschlecht ist nach der Kastration weniger wichtig
Junge, aktive Katze zu ruhiger Seniorin
Schwierig – die Ältere wird oft überfordert
Einzelnes Kitten zu erwachsener Katze
Möglich, aber ein Kitten braucht viel Spiel; ideal ist ein verspielter Erwachsener
Ein bereits befreundetes Paar aus dem Tierheim
Sehr gut – die Chemie ist schon erprobt
Frag im Tierheim oder beim Züchter gezielt nach dem Charakter. Viele Tierheime kennen ihre Katzen gut und wissen, ob eine Katze verträglich ist.
Zusammenführung Schritt für Schritt
Eigenes Zimmer: Die neue Katze bekommt zunächst einen Raum mit Toilette, Futter, Wasser und Versteck. Lass sie ein paar Tage in Ruhe ankommen.
Geruch austauschen: Tausche Decken oder Kissen zwischen beiden Katzen aus, streichle beide abwechselnd. Belohne entspanntes Schnuppern mit Leckerli.
Revier tauschen: Lass die Katzen abwechselnd das Revier der anderen erkunden, ohne dass sie sich begegnen.
Sichtkontakt: Füttere beide auf je einer Seite einer leicht geöffneten Tür oder eines Gitters. Rücke die Näpfe Tag für Tag näher.
Erstes Treffen: Wenn beide entspannt fressen, folgt ein kurzes Treffen unter Aufsicht, am besten mit einem gemeinsamen Spiel. Beende es, bevor die Stimmung kippt.
Zeiten verlängern: Steigere die gemeinsame Zeit langsam. Erst wenn alles ruhig bleibt, dürfen beide unbeaufsichtigt zusammen sein.
Genug für alle
Viele Konflikte entstehen um Ressourcen. Stelle Futter, Wasser, Toiletten, Kratzmöglichkeiten und Schlafplätze an verschiedenen Orten auf – bei Toiletten gilt die Faustregel Anzahl der Katzen plus eins. Erhöhte Liegeplätze helfen, damit sich die Katzen aus dem Weg gehen können.
Was ist normal, was nicht?
Fauchen, Knurren und kurzes Pfotenhauen sind in den ersten Tagen normal. Katzen klären so ihre Beziehung. Geh dazwischen, wenn eine Katze die andere verfolgt und nicht mehr in Ruhe lässt, wenn es zu Kämpfen mit Fellbüscheln oder Verletzungen kommt oder wenn eine Katze nicht mehr frisst oder die Toilette meidet. Dann gehe einen Schritt in der Zusammenführung zurück und nimm dir mehr Zeit. Laute Geräusche oder Wasser als Strafe verschlimmern die Situation.
Eine Zusammenführung kann wenige Tage, manchmal aber auch mehrere Wochen dauern. Wenn es nach Monaten trotz aller Geduld nicht klappt, kann eine verhaltenstherapeutisch ausgebildete Tierärztin weiterhelfen.
Häufige Fragen
Kater oder Katze als Zweitkatze?
Bei kastrierten Tieren ist das Geschlecht zweitrangig. Wichtiger sind Alter, Temperament und Spielstil.
Kostet eine Zweitkatze doppelt so viel?
Futter, Streu, Tierarzt und Versicherung verdoppeln sich ungefähr, Ausstattung wie Kratzbaum wird geteilt. Mit dem Kosten-Rechner kannst du das durchrechnen.
Muss die neue Katze vorher zum Tierarzt?
Ja. Lass sie vor dem ersten Kontakt untersuchen, impfen, entwurmen und gegebenenfalls auf Leukose und FIV testen, um deine Katze nicht anzustecken.
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